Neujahrsempfang
Oberbürgermeister verkündet erneute Kandidatur / In Ansprache Bilanz gezogen und Blick auf Entwicklung der Stadt gerichtet
Dieter Gummer kandidiert erneut für das Amt des Oberbürgermeisters und strebt damit eine zweite Amtszeit an. Um 21.08 Uhr war gestern Abend der Moment gekommen, auf den rund 650 Besucher in der Stadthalle gewartet hatten: Gummer erklärte sich zu der im Sommer anstehenden OB-Wahl. Seine Kandidatur stieß auf langanhaltenden Beifall. Gummer: "Dies bestätigt mich in meinem Entschluss." Er habe, so der OB, die Bewerbung mit seiner Familie besprochen, nie bereut, in Hockenheim Verantwortung zu übernehmen, liebe die Aufgabe und identifiziere sich mit der Stadt.
Zukünftige Schwerpunkte
Oberbürgermeister Dieter Gummer stellte, nachdem er zusammen mit Bürgermeister Werner Zimmermann die Besucher persönlich begrüßt hatte, seine mit Spannung erwartete Ansprache ganz unter das Motto "Gemeinsam in das Jahr 2012". Gemeinsamkeit, für Gummer das Stichwort für kommunalpolitisches Wirken, zog sich wie ein roter Faden durch die Rede.
In dieser blickte Gummer zurück, nannte vor allem aber auch die in diesem und den folgenden Jahren geplanten Vorhaben. Schwerpunkte bildeten dabei die Kinderbetreuung, die Stadtentwicklung - außen (Neubaugebiet) und innen (130 Baulücken) -, der öffentliche Personennahverkehr mit der Bahnhofsproblematik, die Lärmschutzanalyse, das Thema Jugend mit all den Angeboten und Facetten, aber auch Problemen (Vandalismus), Schulen, vorgesehene Investitionen und der Hockenheimring.
Die Kommunen stünden, so Gummer, vor großen Herausforderungen. Ihnen werde nämlich der Spagat abverlangt, bei knappen Kassen den demografischen Wandel zu bewältigen. So sei die Kinderbetreuung in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Thema geworden. Gummer ist froh, dass man sich in Hockenheim schon seit Jahren sowohl administrativ als auch inhaltlich auf dieses Thema vorbereitet habe, um gemeinsam mit den freien Trägern die Zielmarke der Betreuungsquote für unter Dreijährige (34 Prozent) erfüllen zu können. Gummer geht davon aus, dass der selbst definierte Zielwert, 50 Prozent des Anspruchs abzudecken, für die Stadt auf Dauer ausreichend sein werde. Diskutiert werde derzeit über den Neubau einer Tageseinrichtung mit sieben Gruppen in der Heidelberger Straße als Ersatz und Ergänzung für den Heinrich-Bossert-Kindergarten (Investitionen rund 2,5 Millionen Euro).
Entwicklung im Innern
Diesen Themenkomplex nannte Gummer auch als Grund, warum der Haushalt 2012 und die mittelfristige Finanzplanung voraussichtlich erst im Februar eingebracht und im März verabschiedet werden sollen.
Als Beispiel einer gelungenen Innenstadtentwicklung bezeichnete der Oberbürgermeister das Baugebiet "Rathaus-, Luisen-, Jahnstraße". Die im Stadtgebiet vorhandenen 130 Baulücken mit Wohnbebauung zu schließen, sei ein schwieriges Unterfangen. Gummer appellierte an die Eigentümer, zu überlegen, ob sie ihre Grundstücke im Sinne eines verbesserten Erscheinungsbildes der Stadt nicht dem Immobilienmarkt zuführen wollen.
Finanzen zeigen Grenzen auf
Bedeutende Entwicklungsmöglichkeiten machte Dieter Gummer in den Bereichen "Schackgärten" und Messplatz aus. Dabei handele es sich um Entscheidungen für die Zukunft der Stadt, zumindest aber über die Zukunftsfähigkeit und den Charakter der Innenstadt.
Im Gegensatz zur hervorragenden Verkehrsinfrastruktur sieht Gummer den nicht behindertengerechten Ausbau des Bahnhofs als Problem an: "Es ist schon ein Kreuz mit der Bahn." Beim Themenkomplex "Jugend" lobte er den "Hockenheimer Ausbildungstag" und das Engagement des Nachwuchses beim ersten Hockenheimer "Dreck-weg-Tag", ließ aber auch die Probleme mit Vandalismus nicht außen vor.
Stolz sei Hockenheim auf seine Schullandschaft, betonte das Stadtoberhaupt: "Auch als Schulträger wollen wir unseren Kindern die Möglichkeit zur Zukunftsfähigkeit weiter bieten." Gummer nannte auch die Dimension des finanziellen Engagements der Stadt. Für alle Tageseinrichtungen und Schulen gibt die Kommune jährlich rund 8 Millionen Euro aus: "Das sind uns unsere Kinder und ihre Zukunft wert."
Apropos Finanzen: Die Finanzierungsmöglichkeiten der Stadt sind begrenzt. Bei der Abwägung gehe es zunächst darum, Aufgaben zu erfüllen, zu denen die Stadt gesetzlich oder vertraglich verpflichtet sei. Eventuell noch vorhandene Restmittel könnten für andere Maßnahmen verwendet werden. Die zu erwartenden Verbesserungen des Jahres 2011 (rund 3 Millionen Euro) sollen der Rücklage zugeführt werden, um die zu erwarteten Investitionsbedarfe in den nächsten Jahren zu finanzieren.
Keine Neuverschuldung
Erhebliche Investitionen erwartet Gummer in den Bereichen Brückensanierung/Brückenerneuerung und Kanalsanierung. Alleine für Kanäle bestehe in den nächsten 20 Jahren ein Investitionsbedarf von 30 Millionen Euro. In diesem Zusammenhang dankte Gummer allen Eigentümern und Bewohnern im Bereich Untere Hauptstraße für ihr Verständnis und ihre Geduld bei der großen Tiefbaumaßnahme, die nun bis Ende April fertiggestellt sein soll.
Als sein Ziel für die mittelfristige Finanzplanung nannte Gummer: Keine Netto-Neuverschuldung! Einerseits Investitionen zu tätigen und andererseits Schulden abzubauen, würden sich nicht ausschließen, betonte der OB. Dies bewiesen die für die Zukunft gut aufgestellten Stadtwerke.
In seiner Ansprache kam Dieter Gummer natürlich auch auf den Hockenheimring zu sprechen. Der Abschluss 2011 liege voraussichtlich über dem Plan, das laufende Geschäft sei stabil, aus den Vorgängen der Modernisierungsmaßnahmen 2001/2003 seien fast alle Vorgänge abgearbeitet und für das Formel-1-Rennen im Juli seien bisher rund 25 000 Karten abgesetzt worden. Speziell bei der Hockenheim-Ring Hotel und Gastronomie GmbH seien die Ergebnisse weit besser als erwartet, freute sich Gummer. Außerdem werde der Hockenheimring 80 Jahre alt - "ein Jubiläum für unsere Bürgerinnen und Bürger".
Werner Zimmermann optimistisch
Abschließend stellte Dieter Gummer zusammenfassend fest: "Das Jahr 2011 war arbeitsreich, es war spannend und hin und wieder gab es eine Überraschung. Die Arbeitsergebnisse können sich sehen lassen. Wir haben unsere Stadt im Rahmen unserer Möglichkeiten auf zukünftige Aufgaben vorbereitet und werden dies auch weiter gemeinsam tun.

Zum Neujahrsempfang begrüßte Bürgermeister Werner Zimmermann die zahlreichen Besucher. Er warf einen kurzen Blick auf die globale Entwicklung im vergangenen Jahr, um dann lokale Vorhaben zu streifen. Vor den kommunalen Herausforderungen ist dem Bürgermeister nicht bange, da sich viele Hockenheimer in das Leben der Stadt einbringen: "Die stimmt mich optimistisch."
Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang vom AGV Belcanto und dem Seemanns-Chor der Marinekameradschaft. Zum Programm trugen auch die Cheerleader "Blue Devils" des HSV mit ihren akrobatischen Einlagen bei.
Quelle: HTZ Hans Schuppel
Bilder: Stadt Rese